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Wie groß ist deine Eifersucht?

Wie stark ist Deine Eifersucht?

Viele Paare kommen wegen Eifersucht zur Paarberatung.  Von Fall zu Fall kann sich das Ausmaß des Leidens drastisch unterscheiden. In drei Formen der Eifersucht wird gerne unterscheiden - mild, mittelschwer und massiv. Die fühlt sich noch als weitgehend gesund an. Sie fungiert als eine Art Warnsignal für die Beziehung, weil der Eifersüchtige hinterfragt: Legt der Partner gerade ungewöhnliches Verhalten an den Tag? Sollte ich selbst mehr für die Beziehung tun?

Bei der mittelschweren Eifersucht hingegen ist es nur noch unter Anstrengung möglich, die Kontrolle über die eigenen Gefühle zu behalten. Schnell schwingt in jeder Reaktion eine extreme Empfindlichkeit mit. Wie aus dem Nichts kann es passieren, dass der eigene Wert durch zwanghafte Vergleiche mit den vermeintlichen Eindringlingen herabgesetzt wird. Der massiven Eifersucht ist am Ende jede Begründung recht – sei sie noch so irrational. Schon der Gedanke an eine Bedrohung genügt, um diese als real wahrzunehmen. Und plötzlich ist das Gehirn wie vergiftet. 

Wenn die Eifersucht uns nicht guttut – warum ist sie überhaupt im Menschen verankert?

Der amerikanische Psychologe David Buss hat zu diesem Thema ein viel beachtetes Buch veröffentlicht (Wo warst Du? Der Sinn der Eifersucht). Darin ergründet er den evolutionären Ursprung der Eifersucht und zeigt die Unterschiede im Erleben von Mann und Frau auf. Er schreibt: "Die sexuelle Untreue der Frau untergräbt das Vertrauen des Mannes, der leibliche Vater ihrer Kinder zu sein. Ein betrogener Mann läuft Gefahr, Jahre- oder sogar Jahrzehnte lang in die Kinder eines anderen Mannes zu investieren." Eifersucht spielt sich beim Mann also häufig in einem sexuellen Kontext ab. Bei Frauen hingegen habe die Rolle des Partners als Versorger oberste Priorität: "Die meisten verzeihen einen Seitensprung ohne emotionale Beteiligung eher, als den Albtraum ertragen zu müssen, dass eine Konkurrentin die Zärtlichkeit, Zeit und Zuneigung ihres Partners für sich gewinnt."

Was einst die Instinkte übernahmen, ist heute eine Kulturtechnik. Die Eifersucht fungiert als Scheinwerfer, der ein Licht auf die Beziehung wirft. Das Ausleuchten dunkler Ecken kann nicht nur eventuelle Nebenbuhler verdrängen, sondern auch das Vertrauen festigen, Vertrauen in uns selbst und in den Partner. Sollte ich dem Eindringling klarmachen, mit wem er es zu tun hat? Oder brauche ich mir keine Sorgen zu machen, weil das Interesse der Liebsten trotzdem mir gilt? So kann die Eifersucht zum Komplizen werden, wenn es darum geht, die Partnerschaft aufrechtzuerhalten. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche:

die Liebe zum Partner.